Kooperationsprojekt zur Geschichte der Arbeitsmigration zwischen Stadtarchiv und Museum
Freitag, 21. November 2025 - 09:19Am 30. Oktober 1961 unterzeichneten die Bundesrepublik Deutschland und die Türkei das deutsch-türkische Anwerbeabkommen. Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums entwickelte das Museum der Stadt Gladbeck zusammen mit dem Freundeskreis Gladbeck-Alanya e.V. und in Kooperation mit dem Stadtarchiv, dem Integrationsrat und der Gleichstellungsbeauftragten im Jahr 2021 die Ausstellung „Geschichten der Arbeitsmigration von 1955 bis 1973 – Ein Koffer voller Träume“. Eröffnet wurde die Schau zuerst im Museum der Stadt Gladbeck in Wittringen. Dort wurde das Set der insgesamt 26 Roll-Ups vom 30. Oktober 2021 bis zum 30. Januar 2022 der Öffentlichkeit präsentiert.
Die Sonderausstellung ist nun im Stadtarchiv Gladbeck über das Foyer im Untergeschoss des Neuen Rathauses zu sehen. Die ausziehbaren Aufsteller werden im halbjährlichen Turnus durchgewechselt und sollen hier einem möglichst breiten Adressatenkreis zugänglich gemacht werden.
Im Mittelpunkt stehen die Lebenserinnerungen von Menschen, die in der Nachkriegszeit als Arbeitskräfte nach Gladbeck gekommen sind und die ihre Wurzeln keineswegs nur in der Türkei hatten. Mit den Ländern Italien, Spanien, Griechenland, Marokko, Südkorea, Portugal, Tunesien sowie dem ehemaligen Jugoslawien wurden im Zeitraum von 1955 bis 1968 ebenfalls Abkommen durch die damalige Bundesregierung geschlossen. Es war ein besonderes Anliegen der Ausstellungsmacher, dass die Geschichten der Arbeitsmigration für den Gladbecker Raum auch von Familien der oben genannten Herkunftsländer angemessen gewürdigt werden. So sind alle Länder der Anwerbeabkommen in der Ausstellung biographisch vertreten.
Die meisten Erinnerungen konnten in Interviews zusammengetragen und aufgeschrieben werden. Teilnehmende sollten in Gladbeck leben oder gelebt oder gearbeitet haben. Auch Kinder oder Enkelkinder konnten einen zuvor erarbeiteten Fragebogen nutzen, um die Geschichten von mittlerweile verstorbenen Familienmitgliedern zu erzählen. Auf diese Weise wurde in der Sammlung von erinnerungsgestützten Einzelbiografien nochmals stadtgeschichtlich wertvoll dokumentiert, wie voraussetzungsreich Prozesse der Arbeitsmigration und Integration im Kleinen verlaufen. Viele der Befragten beschrieben ihren Aufenthalt in Deutschland rückblickend eher als eine gewinnbringende Zwischenstation auf dem Weg zu einer besseren Zukunft in ihrer Heimat. Dieses Empfinden hing stark mit der Zukunftsunsicherheit zusammen, die ihr damaliger „Gastarbeiter“-Status mit sich brachte.
Das Stadtarchiv Gladbeck hat die Ausstellung „Geschichten der Arbeitsmigration von 1955 bis 1973 – Ein Koffer voller Träume“ im Jahr 2025 zu Dokumentationszwecken in die Informationsdatenbank übernommen und volltexterschlossen. Die Bereitstellung und Einsichtnahme der Digitaltafeln erfolgt vorerst ausschließlich an den elektronischen Lesesaalarbeitsplätzen im Stadtarchiv.