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Hintersassen des Landadels

Archivale des Monats Januar
Monday, 5. January 2026 - 11:13

Hintersassen des Landadels

Nachdem die Erben des 1567 verstorbenen Johann von Merveldt bereits seit 1577 in zweiter Instanz vor dem Reichs­kammergericht um die Herrschafts- und Besitzrechte an der Herrlichkeit Merfeld bei Dülmen prozessiert hatten, wurde 1592 diese Karte des umstrittenen Ge­biets angefertigt. 

Sie zeigt das von Wassergräben umgebene Haus Merfeld links unten und jene etwa 30 Höfe und Kotten in der westli­chen Umgebung, die nicht nur Abgaben an das Haus Merfeld entrichten mussten, sondern auch dessen Gerichtsbarkeit un­terstanden. Sie verweisen damit auf ein Kennzeichen vormoderner „Staatlichkeit“ im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation: Territoriale Herrschaft bedeutete keineswegs automatisch eine lückenlose und monopolartige Machtausübung; Landesherren wie hier der Fürstbischof von Münster mussten sich mit konkurrieren­den, althergebrachten Rechten und Privi­legien lokaler Adeliger auseinanderset­zen.

Obrigkeit manifestierte sich also für die verstreute Bevölkerung in der Herrlichkeit Merfeld einerseits in der Gerichtshoheit ihres Grundherrn, andererseits – etwa bei Schatzungen –  in den Beamten des fürstbischöflichen Amtes Dülmen.

LAVNRW W, W 051/ Kartensammlung A, Nr. 2412.